Für Sie unterwegs: Winterreise zum Baikalsee

Sibirien, Winterreise Baikalsee: In der Eishöhle.
Unsere Kollegin Nadja erlebte Mitte Februar die eindrucksvolle Eiswelt des winterlichen Baikalsees.

Minus 30 Grad – ich denke, ich habe mich verhört, aber der Pilot wiederholt kurz danach noch einmal diese unwirkliche Zahl. „Die Temperatur heute Morgen in Ulan Ude beträgt minus 30 Grad“. Doch nicht verhört! Raus aus dem Flugzeug und rein in die warmen Klamotten. Mit drei paar Socken, drei Hosen, genauso vielen Pullovern und einer dicken Winterjacke fühle ich mich gut gerüstet für den Winter in Sibirien. In der Zwischenzeit ist das Thermometer auf minus 20 Grad geklettert und ich starte zur Citytour in Ulan Ude.
Der erwartete Kälteschock bleibt aus. Das trockene sibirische Klima sorgt dafür, dass sich minus 20 Grad in Ulan Ude nicht sehr viel kälter anfühlen, als minus 5 Grad in Berlin. Solange man sich dick eingemummelt mit Mütze, Schal und Handschuhen hinauswagt, ist die Kälte überraschend gut zu ertragen. Gefroren habe ich während dieser Woche tatsächlich kein einziges Mal.

Zu den Reisefotos: https://plus.google.com/collection/MVhZME

City Tour in Ulan Ude

Meine Stadtführerin Darima begrüßt mich mit den Worten „Du hast Glück, so viel Schnee hatten wir schon seit 20 Jahren nicht mehr“. Die Stadt ist tatsächlich wunderschön verschneit. Ulan Ude verfügt im Stadtzentrum immer noch über viele schöne, alte sibirische Holzhäuser, teilweise mit kunstvollen Holzschnitzarbeiten. Die Dächer sind von einer dicken Schicht weißem Schnee bedeckt, der in der sibirischen Sonne glitzert. Wir besuchen das Stadtzentrum mit den schönen alten Holzhäusern, der orthodoxen Kirche, die ganz in weiß mit dem Schnee um die Wette funkelt und natürlich sehen wir auch das Wahrzeichen der Stadt – den riesigen Lenin-Kopf, umgeben von kunstvollen Eisskulpturen, die sich bei den winterlichen Temperaturen monatelang halten.

Unterwegs auf dem Eis des Baikalsees

Doch lange kann mich die Stadt nicht halten, schließlich bin ich wegen etwas anderem hier. Vor einigen Jahren, bei meinem ersten Besuch am Baikalsee, habe ich Bilder des Sees im Winter gesehen und wusste sofort: Das musst Du unbedingt einmal mit eigenen Augen sehen. Daher kann ich es kaum erwarten, am Nachmittag die ersten Schritte auf den gefrorenen See zu setzen. Unser erfahrener Fahrer weiß genau, an welchen Stellen man einfach und sicher auf den See kommt. Dieser bietet schon auf den ersten Blick einen fantastischen Anblick: In Ufernähe haben sich die dicken, gebrochenen, blau schimmernden Eisplatten aufgetürmt. Die langsam untergehende Sonne und der glitzernde Schnee entführen einen in eine andere Welt: Man hat das Gefühl, man steht inmitten einer Kulisse eines Fantasy-Films. Hinter uns an den Felsen am Ufer ist die Gischt der Wellen in spektakulären Formen gefroren. Alles wirkt unwirklich, als ob die Kräfte der Natur mitten in der Bewegung gestoppt wurden – eine Momentaufnahme, die einem bewusst macht, welche Kräfte hier wirken.
Diese ersten Eindrücke werden am Abend auf sibirische Weise gefeiert: Mit viel Essen, dem leckeren Omul (einem Fisch, den es nur im Baikalsee gibt) und natürlich mit Wodka.

Eishöhlen und meterdickes Eis

In den nächsten Tagen entdecke ich die Eiswelt des Baikalsees und bin immer wieder überrascht und gebannt von der Vielfältigkeit der Bilder, die ich sehe. Ich fahre mit einem Luftkissenboot quer über den vereisten See: Nur 1,5 Stunden bis ans andere Ufer nach Listwjanka. Normalerweise dauert die Fahrt mit dem Zug einen ganzen Tag. Mit UAZ, den robusten russischen Minivans, erkunden wir den See rund um die Insel Olchon. Hier hat das gefrorene Seewasser riesige Eishöhlen geschaffen, meterhohe Eiszapfen hängen wie Stalaktiten in Tropfsteinhöhlen von den Felsen. Unsere Fahrer zeigen uns die schönsten Stellen: Mehr als ein Meter Eis trennt uns von mehr als einem Kilometer Wasser – unglaubliche Dimensionen. Das Eis schimmert blau, ist glasklar. Der Baikalsee enthält fast 20% der weltweiten Süßwasser-Reserven und hat eine Wasserqualität, die destilliertem Wasser nahe kommt. Das Eis ist daher auch bei über einem Meter Dicke noch klar, man sieht die Risse und Spalten, die sich durch die Kraft des Wassers gebildet haben, teilweise findet man handtellergroße Luftblasen, teilweise durchziehen dicke, klaffende Risse die Eisdecke. Diese trägt uns und unseren Minivan zuverlässig und ist so dick, dass wir zum Mittag am Rande des Sees ein kleines Feuer entfachen können, an dem unser Fahrer einen warmen Tee zubereitet. Dazu gibt es Omul und Wodka – das hört einfach dazu.

Religiöse und kulturelle Vielfalt am Baikalsee

Doch der See ist nicht nur wegen seiner einmaligen Winterkulisse eine Reise wert. Ich erfahre auch viel über die unterschiedlichen Kulturen und Religionen rund um den See. Am Ostufer bei Ulan Ude leben Burjaten, die meisten von ihnen sind gläubige Buddhisten, wie ich einem Gespräch mit einem Lama im buddhistischen Ivolginski Kloster entnehme. Beim Besuch einer Altgläubigen-Gemeinde lerne ich die traditionelle Lebensweise dieser Religionsgemeinschaft kennen, die sich von der orthodoxen Kirche abgespaltet hat und größtenteils sehr abgeschottet lebt. Und der Besuch eines orthodoxen Frauenklosters lässt mich erkennen, dass eine Nonne offenherzig, sehr witzig und humorvoll sein kann.

Den letzten Tag verbringe ich noch einmal auf dem Eis. Es fällt mir schwer, mich von dieser atemberaubenden Kulisse zu verabschieden. In unserem Beruf ist man viel unterwegs, sieht viele tolle, spannende Orte. Oft wird einem erst später bewusst, wie eindrucksvoll diese Erlebnisse sind. Hier auf dem blauen Eis des Baikalsees unter dem strahlend blauen sibirischen Himmel merke ich es sofort: Dieses Erlebnis werde ich mein Leben lang nicht vergessen.

Reise-Ideen für den Baikalsee im Sommer und im Winter stellen wir auf www.ventus-reisen.de/land/sibirien vor. Alle Routenvorschläge passen unsere Reise-ExpertInnen gerne an Ihre individuellen Wünsche an.

05. März 2018