
Ventus Reisebericht Kasachstan Teil 1: Shymkent – Turkestan – Astana
Ventus war mal wieder unterwegs – dieses Mal in Kasachstan.
Zentralasien ist nicht nur eines unserer wichtigsten Zielgebiete, ich habe mein Herz schon vor vielen Jahren an diese abwechslungsreiche, teilweise immer noch recht unbekannte Region verloren. In den vergangenen Jahren war ich oft in den Ländern an der Seidenstraße unterwegs – auf Dienstreisen, aber auch privat. Ich bin immer wieder erstaunt davon, wie schnell sich die verschiedenen Länder entwickeln und dass es auch beim zweiten, dritten oder vierten Besuch immer wieder etwas Neues zu entdecken gibt.
So auch dieses Mal: Der DRV, der Spitzenverband der deutschen Reisewirtschaft, hat zum Destination Forum in Kasachstan geladen – da waren wir natürlich dabei!
In fünf Gruppen ging es für die Teilnehmer in die unterschiedlichsten Regionen Kasachstans – für mich in den Süden des Landes, zu den Kulturstätten entlang der alten Seidenstraße, nach Shymkent, Otrar und Turkestan.
Shymkent erreicht man ziemlich bequem direkt von München aus mit SCAT Airlines. Nach einem entspannten, ca. 6-stündigen Flug wurden wir mit Musik und ersten kasachischen Spezialitäten am Flughafen begrüßt. Ein kleiner Einblick in das, was uns in den nächsten Tagen erwarten sollte: herzliche, offene Menschen, gelebte Gastfreundschaft und vor allem viel Essen! Kasachstan ist ein modernes Land mit einer hervorragenden touristischen Infrastruktur. Es gibt tolle Hotels und sehr gute Restaurants mit einem spannenden Mix aus zentralasiatischen Gerichten und internationaler Küche, bei denen man auch die kasachischen Spezialitäten probieren kann. Wir haben während unseres Aufenthalts nicht nur die vielen abwechslungsreichen Salate zu schätzen gelernt, auch die gefüllten Teigtaschen (Manti) und die kleinen, in Öl frittierten Hefeteigbällchen (Baursaki) haben uns geschmeckt. An das kasachische Nationalgericht Beschbarmak, das aus breiten Nudeln und verschiedenen Sorten Pferdefleisch in einer kräftigen Brühe besteht, mussten wir uns am Anfang erst „rantasten“.
Gleich zu Beginn der Reise haben wir auf der Fahrt von Shymkent nach Turkestan einen ersten Eindruck von den Weiten der kasachischen Steppe bekommen. Kasachstan ist mehr als siebenfach so groß wie Deutschland und das neuntgrößte Land der Erde! Die Region Turkestan im Süden des Landes an der Seidenstraße ist eine Halbwüste, so weit das Auge reicht, sieht man nichts: keine Wälder, keine Berge. Wenn man Glück hat, trifft man unterwegs auf Dromedare und schon sieht man sie vor sich: die Karawanen, die vor Hunderten von Jahren wertvolle Waren wie Gewürze und Seide aus dem Orient nach Europa gebracht haben. Man kann sich vorstellen, wie es gewesen sein muss, wenn die Karawanen damals nach Tagen in der Einöde der Wüste eine der prunkvollen Städte an der Seidenstraße erreicht haben.
Die antike Siedlung Otrar war eine dieser Städte. Ihre Blütezeit dauerte vom 1. bis 13. Jahrhundert, zu Beginn des 13. Jahrhunderts zählte die Stadt mehr als 200.000 Einwohner. Bis heute kann man ihre Bedeutung erahnen, wenn man durch die weitläufige archäologische Stätte läuft. Die Ausgrabungen sind immer noch im Gange, es wird viel renoviert und restauriert. Das Schicksal dieser einst mächtigen Stadt ist eng mit den Feldzügen Dschinghis Khans verbunden, der die Stadt einnahm und damit ihren Untergang begründete.
Ganz in der Nähe der Ausgrabungen von Otrar liegt das Arystan-Bab-Mausoleum, das dem legendären religiösen Mystiker, Lehrer und Sufi-Mentor des berühmten Philosophen Hodscha Ahmad Yasawi gewidmet ist. Das Mausoleum ist einer der wichtigsten islamischen Wallfahrtsorte der Region und liegt auf einer Pilgerroute, die mit dem Jakobsweg in Europa vergleichbar ist.
Trotz der enormen Bedeutung dieser Orte sieht man hier kaum Touristen. Wir waren hier fast alleine und konnten die Ausstrahlung dieser historischen Stätte in aller Ruhe auf uns wirken lassen. Die Region Turkestan gehört zu den am wenigsten besuchten Kulturzentren Zentralasiens, obwohl man eine Reise nach Shymkent und Turkestan gut mit einer Kulturreise durch Usbekistan verbinden kann, denn von Taschkent aus sind es nur ca. vier Stunden Fahrt bis nach Shymkent.
Von Otrar fährt man dann noch einmal ca. zwei Stunden bis Turkestan, einer lebendigen Stadt, die mich vor allem mit ihrem modernen Stadtbild beeindruckt hat. Wie überall in Kasachstan ist uns auch hier sofort aufgefallen, wie sauber es überall ist. Die Stimmung in der Stadt ist gemütlich, man kann viel zu Fuß erkunden. Am meisten beeindruckt haben mich hier tatsächlich die öffentlichen Toiletten und Duschen, die kostenlos (!!!) genutzt werden können, supersauber sind und extrem modern daherkommen: Von der Straße aus kann man durch eine Glasscheibe in die Räumlichkeiten schauen, wenn sie in Benutzung sind, wird das Glas trübe, sodass man vor neugierigen Blicken verschont bleibt. Da könnte sich Berlin eine Scheibe von abschneiden!
Auch unser Hotel war nicht alltäglich: Das KarawanSaray Hotel ist ein weitläufiger Komplex, der einer alten Karawanserei nachempfunden und im traditionellen Stil erbaut wurde. Hier gibt es verschiedene Geschäfte, Restaurants und einen künstlichen See mit Wasserläufen inmitten der Anlage – ein unglaublicher Anblick, vor allem, nachdem man gerade vier Stunden durch die Wüste gefahren ist! Die Einheimischen lieben es! Man kann mit Booten durch die Anlage fahren, fühlt sich ein bisschen an Las Vegas erinnert und kann jeden Abend einer kostenlosen Live-Show mit Booten auf dem künstlichen See beiwohnen, bei der mit viel Licht und Musik eines der kasachischen Nationalmärchen erzählt wird. Vielleicht ein bisschen skurril, aber wirklich unterhaltsam. Auch das 8D-Kino „Flying Theater“, das zum Hotelkomplex gehört und in dem man virtuell mit einem goldenen Fabelvogel über die verschiedenen Regionen Kasachstans fliegt, ist unbedingt einen Besuch wert!
Eigentlich besucht man Turkestan aber wegen des Mausoleums des bedeutenden Sufi-Dichters und Mystikers Hodscha Ahmad Yasawi, eines der am besten erhaltenen Meisterwerke der Timuriden-Architektur, UNESCO-Weltkulturerbe und eine wichtige islamische Pilgerstätte an der alten Seidenstraße. Drei Pilgerreisen zu dieser eindrucksvollen Kulturstätte werden in der islamischen Welt gleichgesetzt mit einer Pilgerreise nach Mekka. Und auch hier: Trotz der immensen kulturellen Bedeutung des Mausoleums trifft man nur auf wenige internationale Touristen. Am späten Nachmittag erstrahlt das Bauwerk in seiner ganzen Pracht, der Spaziergang durch das schöne Stadtzentrum zurück zum Hotel hat einen eindrucksvollen Tag an der kasachischen Seidenstraße abgerundet.
Zurück in Shymkent erwartete uns dann ein Einblick in die kasachische Kultur und in die Traditionen der Nomaden, denen sich die Kasachen vor allem im Süden des Landes bis heute zugehörig fühlen. Hier wurden auch in Sowjet-Zeiten die kasachische Sprache und Traditionen bewahrt. In einem ethnografischen Museum des Universalkünstlers Kendebay Karabdalov, der eine kleine Berühmtheit in Kasachstan ist, bekamen wir einen Einblick in diese Traditionen.
Die Zitadelle von Shymkent, die weiß leuchtend über der Stadt thront, ist nicht minder eindrucksvoll. Wer möchte, kann sich hier auch in der Kunst des Bogenschießens versuchen – ein kasachischer Nationalsport. Und natürlich haben wir im Hippodrom auch einen Einblick in die kasachischen Reiterspiele bekommen, die im ganzen Land gepflegt werden. Es gibt Ringkämpfe hoch zu Pferd, verschiedene Geschicklichkeitsspiele und natürlich auch Bogenschießen im vollen Galopp.
Wie schwierig diese Fertigkeiten wirklich sind, davon konnten wir uns am nächsten Tag im nahe gelegenen Sairam-Ugam-Nationalpark selbst ein Bild machen: Ein Tag in den Bergen des Nationalparks ist eine schöne Abwechslung zu den Kulturstätten der Seidenstraße. Hier kann man wandern und natürlich auch auf dem Pferderücken die herrliche Natur genießen.
Ein toller Ausklang für unseren Aufenthalt in Turkestan, denn am Abend ging es dann mit einem kurzen Flug in die neue Hauptstadt Kasachstans, nach Astana.
Astana, die Mega-City, am Reißbrett erschaffen, inmitten der kasachischen Steppe erbaut, ein Synonym für das moderne Kasachstan. Die Stadt steht anderen Weltmetropolen in nichts nach! Ein Mega-Gebäude reiht sich an das andere, hier haben sich die berühmtesten Architekten weltweit in Glas und Stahl verwirklicht. Man weiß gar nicht, wo man zuerst hinschauen soll: Überall sieht man eindrucksvolle moderne Architektur und auch hier ist wieder alles supersauber, aufgeräumt, modern und vor allem grün! Eine ganz neue Hochbahn verbindet die verschiedenen Sehenswürdigkeiten miteinander – die Fahrt kostet gerade mal 25 Cent! Man kann verschiedene Museen besuchen, die eindrucksvolle große Moschee, ein Einkaufszentrum, dessen Architektur an ein großes Zelt erinnert, und natürlich den Baiterek Tower, das Wahrzeichen Astanas. Am Abend lohnt eine Schifffahrt auf dem Ischim-Fluss entlang der hell beleuchteten Skyline der Stadt.
Für uns war die Stadt aber nicht nur das Ende unserer Erkundungstour durch Kasachstan, hier fand am letzten Tag der Reise auch das DRV Destination Forum statt, zu dem zahlreiche Vertreter aus den unterschiedlichsten Bereichen des kasachischen Tourismus anwesend waren und natürlich die mehr als 60 Teilnehmer aus Deutschland und Österreich. Bei Workshops und Vorträgen haben die verschiedenen Gruppen von ihren Reiseerlebnissen berichtet, haben Eindrücke ausgetauscht und über neue Tourismuskonzepte für die doch sehr unterschiedlichen Regionen Kasachstans gefachsimpelt.
Das Ergebnis: Kasachstan ist so abwechslungsreich, hat so viele Naturwunder zu bieten, so viele interessante Städte und so viele nette, offene Menschen: Wir müssen wiederkommen!
Sie sind neugierig geworden? Hier finden Sie unsere Individualreisen nach Kasachstasan.
Einige Fotos dieser Kasachstan-Reise können Sie in unserem Flickr-Album anschauen: https://flic.kr/s/aHBqjB3nJu
Fotos des DRV Destination Forums in Kasachstan kann man sich hier anschauen: https://www.drv-events.de/impressionen/destination-forum-kasachstan-2026.html
Veröffentlicht am: Freitag, 11. September 2026
