DRV Destination Forum Kasachstan, Astana 2026. Nadja Moussa von Ventus Reisen

Ventus Reisebericht Kasachstan Teil 1: Shymkent – Turkistan – Astana

Ventus Reisen war mal wieder unterwegs – dieses Mal ging es nach Kasachstan.
Zentralasien ist nicht nur eines unserer wichtigsten Zielgebiete, ich habe mein Herz bereits vor vielen Jahren an diese abwechslungsreiche und teilweise noch immer recht unbekannte Region verloren. In den vergangenen Jahren war ich oft in den Ländern entlang der Seidenstraße unterwegs – auf Dienstreisen, aber auch privat. Immer wieder erstaunt mich, wie schnell sich die verschiedenen Länder entwickeln und dass es selbst beim zweiten, dritten oder vierten Besuch immer wieder Neues zu entdecken gibt.

So auch dieses Mal: Der DRV, der Spitzenverband der deutschen Reisewirtschaft, hat zum Destination Forum nach Kasachstan eingeladen – da waren wir natürlich dabei!
In fünf Gruppen ging es für die Teilnehmer in die unterschiedlichsten Regionen Kasachstans. Für mich führte die Reise in den Süden des Landes, zu den Kulturstätten entlang der alten Seidenstraße und nach Shymkent, Otrar und Turkistan.

Shymkent lässt sich von München aus ganz bequem direkt mit SCAT Airlines erreichen. Nach einem entspannten, ca. 6-stündigen Flug wurden wir mit Musik und ersten kasachischen Spezialitäten am Flughafen begrüßt. Ein erster Vorgeschmack auf das, was uns in den kommenden Tagen erwarten sollte: herzliche, offene Menschen, gelebte Gastfreundschaft und vor allem jede Menge gutes Essen!

Kasachstan ist ein modernes Land mit einer hervorragenden touristischen Infrastruktur. Tolle Hotels und sehr gute Restaurants bieten einen spannenden Mix aus zentralasiatischen Gerichten und internationaler Küche – und natürlich die Gelegenheit, kasachische Spezialitäten zu probieren. Wir haben während unseres Aufenthalts nicht nur die vielen abwechslungsreichen Salate zu schätzen gelernt, auch die gefüllten Teigtaschen (Manti) und die kleinen, in Öl frittierten Hefeteigbällchen (Baursaki) waren ganz nach unserem Geschmack. An das kasachische Nationalgericht Beschbarmak, das aus breiten Nudeln und verschiedenen Sorten Pferdefleisch in einer kräftigen Brühe besteht, mussten wir uns anfangs allerdings erst einmal „rantasten“.

Gleich zu Beginn der Reise bekamen wir auf der Fahrt von Shymkent nach Turkestan einen ersten Eindruck von den schier endlosen Weiten der kasachischen Steppe.

Kasachstan ist mehr als siebenfach so groß wie Deutschland und damit das neuntgrößte Land der Erde! Die Region Turkestan im Süden des Landes entlang der Seidenstraße ist eine Halbwüste. So weit das Auge reicht, sieht man nichts: keine Wälder, keine Berge.
Wenn man Glück hat, trifft man unterwegs auf Dromedare – und schon sieht man sie vor sich: die Karawanen, die vor Hunderten von Jahren wertvolle Waren wie Gewürze und Seide aus dem Orient nach Europa transportiert haben. Kaum vorstellbar, wie es gewesen sein muss, wenn die Karawanen damals nach Tagen in der Einöde der Wüste endlich eine der prunkvollen Städte an der Seidenstraße erreichten.

Die antike Siedlung Otrar war eine dieser bedeutenden Städte. Ihre Blütezeit dauerte vom 1. bis 13. Jahrhundert, und zu Beginn des 13. Jahrhunderts zählte die Stadt mehr als 200.000 Einwohner. Bis heute lässt sich die einstige Bedeutung erahnen, wenn man durch die weitläufige archäologische Stätte spaziert. Die Ausgrabungen sind noch immer im Gange, gleichzeitig wird viel renoviert und restauriert. Das Schicksal dieser einst mächtigen Stadt ist eng mit den Feldzügen Dschinghis Khans verbunden, der Otrar einnahm und damit den Untergang der Stadt begründete.

Ganz in der Nähe der Ausgrabungen von Otrar liegt das Arystan-Bab-Mausoleum, das dem legendären religiösen Mystiker, Lehrer und Sufi-Mentor des berühmten Philosophen Hodscha Ahmad Yasawi gewidmet ist. Das Mausoleum ist einer der wichtigsten islamischen Wallfahrtsorte der Region und liegt an einer Pilgerroute, die mit dem Jakobsweg in Europa vergleichbar ist. Trotz der enormen Bedeutung dieser Orte sieht man hier erstaunlich wenige Touristen. Wir waren fast alleine und konnten die besondere Ausstrahlung dieser historischen Stätten ganz in Ruhe auf uns wirken lassen. Die Region Turkistan gehört zu den am wenigsten besuchten Kulturzentren Zentralasiens, obwohl sich eine Reise nach Shymkent und Turkistan hervorragend mit einer Kulturreise durch Usbekistan verbinden lässt. Von Taschkent aus sind es nur ca. vier Stunden Fahrt bis nach Shymkent.

Von Otrar fährt man dann noch einmal ca. zwei Stunden bis Turkestan, eine lebendige Stadt, die mich vor allem mit ihrem modernen Stadtbild beeindruckt hat. Wie überall in Kasachstan fiel uns auch hier sofort auf, wie sauber es ist. Die Atmosphäre in der Stadt ist entspannt und gemütlich, vieles lässt sich bequem zu Fuß erkunden. Am meisten beeindruckt haben mich hier tatsächlich die öffentlichen Toiletten und Duschen, die kostenlos (!!!) genutzt werden können, supersauber sind und extrem modern gestaltet wurden: Von der Straße aus kann man durch eine Glasscheibe in die Räumlichkeiten schauen. Sobald sie in Benutzung sind, wird das Glas trübe, sodass man vor neugierigen Blicken geschützt ist. Da könnte sich Berlin durchaus eine Scheibe von abschneiden!

Auch unser Hotel war alles andere als alltäglich: Das KarawanSaray Hotel ist ein weitläufiger Komplex, der einer alten Karawanserei nachempfunden und im traditionellen Stil erbaut wurde. Hier gibt es verschiedene Geschäfte, Restaurants und einen künstlichen See mit Wasserläufen inmitten der Anlage – ein unglaublicher Anblick, besonders nachdem man gerade vier Stunden durch die Wüste gefahren ist! Die Einheimischen lieben diesen Ort. Man kann mit Booten durch die Anlage fahren, fühlt sich dabei ein bisschen wie in Las Vegas und kann jeden Abend einer kostenlosen Live-Show mit Booten auf dem künstlichen See beiwohnen. Mit viel Licht und Musik wird dabei eines der kasachischen Nationalmärchen erzählt. Vielleicht ein bisschen skurril – aber wirklich unterhaltsam. Auch das 8D-Kino „Flying Theater“, das zum Hotelkomplex gehört und in dem man virtuell mit einem goldenen Fabelvogel über die verschiedenen Regionen Kasachstans fliegt, ist unbedingt einen Besuch wert!

Der eigentliche Grund für einen Besuch in Turkistan ist jedoch das Mausoleum des bedeutenden Sufi-Dichters und Mystikers Hodscha Ahmad Yasawi: eines der am besten erhaltenen Meisterwerke der Timuriden-Architektur, UNESCO-Weltkulturerbe und eine wichtige islamische Pilgerstätte an der alten Seidenstraße. Drei Pilgerreisen zu dieser eindrucksvollen Kulturstätte werden in der islamischen Welt mit einer Pilgerreise nach Mekka gleichgesetzt. Und auch hier: Trotz der immensen kulturellen Bedeutung des Mausoleums trifft man nur auf wenige internationale Touristen.
Am späten Nachmittag erstrahlt das Bauwerk in seiner ganzen Pracht. Der Spaziergang durch das schöne Stadtzentrum zurück zum Hotel rundete einen eindrucksvollen Tag an der kasachischen Seidenstraße ab.

Zurück in Shymkent erwartete uns ein spannender Einblick in die kasachische Kultur und die Traditionen der Nomaden, denen sich die Kasachen vor allem im Süden des Landes bis heute zugehörig fühlen. Hier wurden auch in den Sowjet-Zeiten die kasachische Sprache und Traditionen bewahrt. In einem ethnografischen Museum des Universalkünstlers Kendebay Karabdalov, der in Kasachstan eine kleine Berühmtheit ist, bekamen wir einen Einblick in diese Traditionen.

Die Zitadelle von Shymkent, die weiß leuchtend über der Stadt thront, ist nicht minder beeindruckend. Wer möchte, kann sich hier auch selbst in der Kunst des Bogenschießens versuchen – einem kasachischen Nationalsport.
Und natürlich haben wir im Hippodrom auch einen Einblick in die traditionellen kasachischen Reiterspiele bekommen, die im ganzen Land gepflegt werden. Es gibt Ringkämpfe hoch zu Pferd, verschiedene Geschicklichkeitsspiele und natürlich auch Bogenschießen im vollen Galopp – beeindruckende Einblicke in eine lebendige Tradition.

Wie schwierig diese Fertigkeiten wirklich sind, davon konnten wir uns am nächsten Tag im nahe gelegenen Sairam-Ugam-Nationalpark selbst ein Bild machen. Ein Tag in den Bergen des Nationalparks war eine willkommene Abwechslung zu den Kulturstätten entlang der Seidenstraße. Hier kann man wandern und natürlich auch vom Pferderücken aus die herrliche Natur genießen. Ein toller Ausklang für unseren Aufenthalt, denn am Abend ging es mit einem kurzen Flug in die neue Hauptstadt Kasachstans, nach Astana.

Astana – die Mega-City, am Reißbrett erschaffen und mitten in der kasachischen Steppe erbaut – ist ein Synonym für das moderne Kasachstan. Die Stadt steht anderen Weltmetropolen in nichts nach! Ein Mega-Gebäude reiht sich an das andere, und hier haben sich die berühmtesten Architekten der Welt in Glas und Stahl verwirklicht. Man weiß gar nicht, wo man zuerst hinschauen soll: Überall beeindruckt moderne Architektur, und auch hier ist wieder alles supersauber, aufgeräumt, modern und vor allem grün! Eine ganz neue Hochbahn verbindet die verschiedenen Sehenswürdigkeiten miteinander – die Fahrt kostet gerade einmal 25 Cent! Man kann verschiedene Museen besuchen, die eindrucksvolle große Moschee, ein Einkaufszentrum mit einer Architektur, die an ein großes Zelt erinnert, und natürlich den Baiterek Tower, das Wahrzeichen Astanas.
Am Abend lohnt sich eine Schifffahrt auf dem Ischim-Fluss entlang der hell beleuchteten Skyline der Stadt.

Für uns war die Stadt aber nicht nur das Ende unserer Erkundungstour durch Kasachstan. Am letzten Tag der Reise fand hier auch das DRV Destination Forum statt, zu dem zahlreiche Vertreter aus den unterschiedlichsten Bereichen des kasachischen Tourismus sowie natürlich die mehr als 60 Teilnehmer aus Deutschland und Österreich anwesend waren. Bei Workshops und Vorträgen berichteten die verschiedenen Gruppen von ihren Reiseerlebnissen, tauschten Eindrücke aus und diskutierten neue Tourismuskonzepte für die doch sehr unterschiedlichen Regionen Kasachstans.

Das Ergebnis: Kasachstan ist unglaublich abwechslungsreich, bietet so viele Naturwunder, interessante Städte und vor allem so viele nette, offene Menschen: Wir müssen wiederkommen!

Sie sind neugierig geworden? Hier finden Sie unsere Individualreisen nach Kasachstasan. 

Einige Fotos und Impressionen von dieser Kasachstan-Reise finden Sie in unserem Flickr-Album: https://flic.kr/s/aHBqjB3nJu

Fotos des DRV Destination Forums in Kasachstan kann man sich hier anschauen: https://www.drv-events.de/impressionen/destination-forum-kasachstan-2026.html

Veröffentlicht am: Freitag, 11. September 2026

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