
Ventus Reisebericht Kasachstan Teil 2: Mit dem Mietwagen zu den Natur-Highlights Almatys
Während meine Mitreisenden des DRV Destination Forums ihre Heimreise antraten, ging es für mich alleine weiter nach Almaty, in die ehemalige Hauptstadt Kasachstans. Diese Region, die vor allem durch einige eindrucksvolle Naturschönheiten besticht, kannte ich schon von früheren Reisen. Dieses Mal wollte ich alleine mit einem Mietwagen reisen, um zu testen, wie man sich in Kasachstan als Selbstfahrer (ohne russische oder kasachische Sprachkenntnisse) zurechtfindet.
Bereits im Flugzeug von Astana auf dem Weg nach Almaty wurde schnell klar: Die Kasachen sind aufgeschlossen und freundlich: Ich wurde direkt zum Essen eingeladen und mir wurden auch gleich die ersten Telefonnummern zugesteckt – für den Notfall, falls ich etwas brauche. Schließlich war ich als Frau alleine mit einem Mietwagen unterwegs – da ist die Hilfsbereitschaft groß (vor allem von kasachischen Frauen!).
Almaty hatte ich als gemütliche und grüne Stadt in Erinnerung. Das ist sie immer noch – aber auch hier hat sich einiges verändert: Es wird unglaublich viel renoviert, es gibt überall nette, kleine Cafés und schöne Plätze, viele nette Parks und viel Grün. Die Stadt ist deutlich moderner geworden, als ich sie in Erinnerung hatte. Hier trifft „hipper“ Lifestyle auf alte sozialistische Architektur, hier gibt es schicke Restaurants und Cafés, aber auch die traditionellen Stände, an denen Kwas, ein Getränk aus fermentiertem Brot, verkauft wird, das man in Zentralasien überall bekommt.
Die Stadt ist ein spannender Mix aus Neu und Alt, hier kann man einen entspannten Tag verbringen, durch den Panfilov-Park spazieren, die Christi-Himmelfahrts-Kathedrale besuchen, mit der modernen Seilbahn auf den Kok Tobe, den „Stadtberg“, hinauffahren und den Tag in einem der vielen schönen Restaurants oder auf der Flaniermeile Arbat ausklingen lassen, bevor man sich am nächsten Tag mit dem Mietwagen auf den Weg macht zu den Naturschönheiten rund um Almaty.
Eines der bekanntesten Natur-Highlights des Landes ist der atemberaubende Charyn Canyon, auch „kleiner Grand Canyon“ genannt, das erste Ziel meiner Mietwagen-Reise. Der eindrucksvolle, rot leuchtende Canyon erstreckt sich über eine Länge von insgesamt mehr als 150 km und ist bis zu 300 Meter tief. Über Millionen von Jahren haben Wasser, Wind und Erosion die bis zu mehrere hundert Meter hohen Felswände geformt. Besonders eindrucksvoll ist das berühmte „Tal der Burgen“ mit seinen bizarren roten Felsformationen, die an Türme, Festungen und mittelalterliche Burgen erinnern.
Bei einem Spaziergang kann man in das Tal hinabsteigen und dem ca. 3 km langen Weg zwischen den imposanten Felswänden bis zum Charyn-Fluss folgen. Der Kontrast zwischen den kargen, rötlichen Felsen und dem grünen Flusstal ist wirklich faszinierend.
Nach diesem ersten Highlight ging es für mich weiter zu meinem Hotel in Saty, durch herrliche Steppenlandschaften, vorbei an Pferdeherden. Auf diesen 90 Kilometern verändert sich die Landschaft nach und nach, denn man fährt langsam von der Steppe in die Berge. Der Ort Saty ist der Ausgangspunkt für den Besuch der bekannten Bergseen der Region.
Die standen am nächsten Tag auf meinem Programm: Bei meinem ersten Stopp am Kolsai-See war ich überrascht von den „vielen“ Touristen, die ich auf dem kurzen Spaziergang zum See getroffen habe. „Viel“ ist für hiesige Verhältnisse natürlich relativ, aber das Gebiet rund um Almaty ist bei internationalen Touristen deutlich bekannter als die Regionen im Süden oder Westen des Landes. Die Kolsai-Seen sind ein bekanntes und beliebtes Wandergebiet. Den ersten See kann man noch relativ leicht zu Fuß erreichen. Wer die höheren Seen besuchen möchte, muss gut zu Fuß sein und sich auf eine längere Wanderung einstellen. Bis zum letzten See läuft man ca. 13 km weit.
Ich habe mich auf einen Besuch des ersten Sees beschränkt und bin im Anschluss zum berühmten Kaindy-See gefahren. Die Straße dorthin ist erst seit Kurzem asphaltiert – zum Glück für mich, denn mein Mietwagen war kein Allrad-Fahrzeug. Und schon die Fahrt durch die herrliche Berg- und Flusslandschaft war ein Erlebnis!
Über einen gut ausgebauten Spazierweg, durch ein schönes Tal, entlang eines sprudelnden Gebirgsflusses läuft man in ca. 30 Minuten bis zum See. Der auf rund 1.900 m Höhe gelegene Bergsee, der durch einen Erdrutsch entstanden ist, ist vor allem für seine charakteristischen, aus dem türkisfarbenen Wasser ragenden Fichtenstämme bekannt. Die abgestorbenen Tien-Shan-Fichten blieben im kalten Bergwasser erhalten und ragen heute wie die Masten versunkener Schiffe aus dem See – ein faszinierender und surrealer Anblick, den ich leider nur kurz genießen konnte, da mich an diesem Tag noch eine längere Fahrt zum Altyn-Emel-Nationalpark erwartet hat.
Ca. 330 km von Saty entfernt liegt Basshy, auch Kalinino genannt, das Eingangstor zum Altyn-Emel-Nationalpark. Hier muss man auf jeden Fall einen ganzen Tag einplanen, denn es gibt viel zu sehen und zu erkunden. Der weitläufige Nationalpark bietet eine faszinierende Landschaft aus Wüsten, Steppen, Gebirgszügen und farbenprächtigen Felsformationen. Der Park gehört zum UNESCO-Biosphärenreservat und zählt zu den eindrucksvollsten Naturlandschaften im Südosten Kasachstans. Da man den Park nur mit einem Allrad-Fahrzeug besuchen kann, habe ich die unterschiedlichen Regionen und „Sehenswürdigkeiten“ zusammen mit einem Fahrer besucht.
Mein erster Stopp war an den Katutau-Bergen mit ihren dunklen vulkanischen Gesteinsformationen. Ganz in der Nähe liegen die spektakulären Aktau-Berge mit ihren rot, weiß und orange leuchtenden Sedimentschichten, die an eine außerirdische oder mondähnliche Landschaft erinnern.
Ein ca. drei Kilometer langer Weg führt hinein in die faszinierende Mondlandschaft, die sich nach und nach verändert. Das Farbenspiel der Felsformationen ist unglaublich eindrucksvoll und abwechslungsreich, und dank der weiten Ausdehnung des Nationalparks kann man die Natur in aller Ruhe, ohne große Touristenströme, genießen.
Ein weiterer Höhepunkt des Parks ist die berühmte „Singende Düne“, die man am besten am frühen Nachmittag besucht. Die bis zu 150 Meter hohe Sanddüne kann bei trockenem Wetter und bewegtem Sand ein tiefes, summendes Geräusch erzeugen, das an den Klang einer Orgel erinnert. Von ihrem Kamm bietet sich ein beeindruckender Panoramablick über die Wüstenlandschaft, den Ili-Fluss und die umliegenden Berge.
Ein wirklich toller und unvergesslich schöner Abschluss für meine kurze Selbstfahrer-Reise durch Kasachstan.
Wer wenig Zeit hat, kann (so wie ich) am Nachmittag die Rückfahrt nach Almaty antreten. Die 250 km zurück nach Almaty kann man gut in 3 bis 3,5 Stunden bewältigen. Für mich hieß es dann bereits in der Nacht „Abschied nehmen“ von Kasachstan – mit vielen neuen, schönen und eindrucksvollen Erlebnissen im Gepäck.
Sie möchten Kasasachstan selbst entdecken? Hier finden Sie unsere Individualreisen nach Kasachstasan.
Einige Fotos dieser Kasachstan-Reise können Sie in unserem Flickr-Album anschauen: https://flic.kr/s/aHBqjB3nJu
Veröffentlicht am: Freitag, 11. September 2026
